Dr. Thela Wernstedt sprach zum Thema „Scabis/Krätze bekämpfen“ in der Plenarsitzung des Niedersächsischen Landtags

 

Dr. Thela Wernstedt sprach für die SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag zur ersten Beratung des Entschließungsantrages der Fraktion der AfD „Gesundheit fördern – Bürger vor der Ausbreitung von Scabis/Krätze wirksam schützen!“ in der Plenarsitzung am 28. Februar 2019. Der Antrag wurde zur weiteren Beratung in den Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung überwiesen.
Die Rede von Frau Dr. Wernstedt können Sie nachstehend lesen.

Dr. Thela Wernstedt (SPD):

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Ihnen einen unangenehmen Zeitgenossen vorstellen:

Sarkoptes scabiei variatio hominis. (Sie zeigt eine vergrößerte Darstellung dieser Milbe)

Sarkoptes ist ein Ektoparasit, im Volksmund auch Krätzmilbe genannt.

Über Verbreitungswege, Symptome bei Befall, Bekämpfung, Aufklärung und Meldepflichten haben wir schon einiges gehört.

Epidemiologisch kann man noch ergänzen, dass wir in Niedersachsen in der Tat eine Zunahme der Fälle beobachten.

Im neuesten Artikel im niedersächsischen Ärzteblatt vom Januar 2019 schreibt eine Mitarbeiterin des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, dass wir im 1. Quartal 2010 etwas weniger als 3300 Fälle mit Diagnosestellung registriert haben, im 1. Quartal 2018 also genau 8 Jahre später eine Versiebenfachung der Fälle auf ungefähr 24.000 beobachten können.

Anhand der bisher zur Verfügung stehenden Daten kann man keine Aussagen zu hauptsächlich betroffenen Personenkreisen und die regionale Verteilung machen. Aber das Robert-Koch-Institut arbeitet derzeit an einer differenzierten Auswertung der bundesweit vorhandenen KV-Daten.

Die Interpretation der niedersächsischen Daten aus Krankenhäusern, die von 1994 bis 2010 einen stetigen Rückgang zeigen und seitdem wieder einen Anstieg kann man nicht ohne einen Abgleich mit internationalen längeren Trends interpretieren.

Die internationale Fachliteratur diskutiert Zyklen der Scabies-Häufigkeit zwischen 15 und 30 Jahren und berichtet außerdem von sehr starken kleinräumigen regionalen Unterschieden.

Auch die Rückmeldungen der niedersächsischen Gesundheitsämter zeigen eine starke regionale Variabilität.

Bisher sehen die damit befassten Gesundheitsämter keine Notwendigkeit noch mehr Aufwand mit der Sammlung statistischer Daten zu betreiben. Die Krankheit ist gut bekannt, es gibt umfangreiches in vielen Sprachen erhältliches Informationsmaterial und eine einfache und rasche Behandlungsmöglichkeit.

Für Schulen, Kindergärten, Pflegeheime, Flüchtlingsunterkünfte und sonstige sogenannte Massenunterkünfte gibt es umfangreiche Handlungsanweisungen.

Aus unserer Sicht, ist die geforderte landes- und bundesweite Meldepflicht nicht erforderlich, die geforderten Handreichungen und Informationsmaterialien gibt es längst.

Unsere Institutionen und Gesundheitsämter sind gut aufgestellt, um Sarcoptes schnell den Garaus zu machen und ihn an der Weiterverbreitung zu hindern.

Die Ansteckungsgefahr in diesem hohen Hause ist übrigens sehr unwahrscheinlich, da wir zwar alle während des Plenums lange Stunden miteinander verbringen, der Abstand zwischen den Stühlen und zu den vorderen und hinteren Nachbarn erfreulicherweise groß genug ist, so dass Sarcoptes ihn nicht überbrücken kann. Also keine Angst.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!